Willkommen

Sie interessieren sich für die Angehörigenproblematik der Sucht? Vielleicht weil Sie selbst als Partner, Eltern, Kind, Geschwister oder Freund betroffen sind, weil Sie sich in der Selbsthilfe engagieren oder weil Sie als Suchthelfer arbeiten? Vielleicht auch weil Sie süchtig betroffen sind und sich dafür interessieren, wie andere unter Ihrer Sucht gelitten haben? Diese Website ist angehörigenzentriert und solidarisiert sich parteiisch mit den Angehörigen und Kindern von Suchtkranken.

Gibt es Co-Abhängigkeit? Es wird behauptet, dass der Begriff Angehörige als krank stigmatisiere und er deshalb nicht mehr genutzt werden solle. Der meines Erachtens Pseudo-Diskurs lenkt davon ab, dass Selbsthilfe, Suchthilfe, -politik und -forschung in der Angehörigenproblematik bis heute einen großen Entwicklungsbedarf haben. Für mich ist der Begriff Co-Abhängigkeit eine Überschrift, die einer vielschichten und facettenreichen psychischen, sozialen und auch gesellschaftlichen Problematik einen Namen gibt. Einen Besseren haben wir aktuell nicht.

Angehörige haben es schwer und sie leiden genauso unter den Folgen und Begleiterscheinungen der Sucht wie die Suchtkranken. Im Berufsalltag, auf Tagungen, in Fortbildungen oder Workshops mache ich die erfreuliche Erfahrung, dass viele KollegInnen das Defizit sehr wohl erkannt haben: "Eigentlich müssten wir viel mehr tun!" In der Hinwendung, Beachtung und Unterstützung von Angehörigen, davon bin ich überzeugt, liegt eine riesen Chance, uns zu verbessern und eine effektivere Selbst- und Suchthilfe zu entwickeln.

Ihr Jens Flassbeck

2020-06 | Artikel | zeitzeichen

Zeitzeichen ist das Kulturmagazin der evangelischen Kirche in Deutschland und bietet Essays, Analysen und Nachrichten zu Religion und Gesellschaft. Am ersten Juni kommt das neue Heft zum Schwerpunktthema Sucht. Mein Beitrag dazu ist ein Essay mit dem Titel: "Betroffen, sprachlos und hilfebedürftig". Die Einleitung zum Text lautet: "Depressionen, Angststörungen und psychosomatische Beschwerden, viele Kinder und Partner von Suchtkranken leiden. Der Bielefelder Psychotherapeut Jens Flassbeck berichtet, warum es für Angehörige so schwierig ist, über ihre Situation zu sprechen. Er fordert eine Erneuerung der Suchthilfe, damit sich diese mit anderen Hilfesystemen besser vernetzen kann." Es freut mich, dass zeitzeichen der Angehörigenproblematik einen angemessenen Raum gibt.

2020-05 | Reportage | ARTE

Auf ARTE ist die Reportage "Süchtig nach Schmerzmitteln" über die Opioid-Krise in den USA, die längst nach Europa herübergeschwappt ist, zu sehen. Der Film ist aus zweierlei Gründen interessant. Er beleuchtet die korrupten Verstrickungen von Pharmaindustrie, Politik, Apotheken und Ärzten und deren profitgierigen Machenschaften. Und er deckt die zerstörerischen Auswirkungen auf Kinder, Familien und ganze Gemeinden und Städte auf. Medikamentensucht ist ein - nicht nur in Bezug auf Schmerzmittel - auch in Deutschland hochgradig bagatellisiertes und tabuisiertes Problem. Prof. Dr. Glaeske und der Chefarzt Dr. Lutz finden klare, kritische Worte zur Verantwortung(-slosigkeit) des Gesundheitssystems.

2020-04 | Buchprojekt | Klett-Cotta

Am 22.08. erscheint unser neues Buch bei Klett-Cotta: "Die langen Schatten der Sucht". Das Buchcover ist gestaltet, das Manuskript ist redigiert und das Buch wird in den nächsten Wochen gedruckt. Es hat 346 Seiten und ist dreigeteilt. Im ersten Kapitel werden die typischen Belastungen und Traumata, die Kinder in Suchtfamilien erfahren, systematisch beschrieben. Im zweiten und dritten Kapitel wird die Lerngeschichte des Suchttraumas analysiert und mögliche Traumafolgestörungen im Erwachsenenalter diagnostisch eingeordnet.

Das fünfte Kapitel ist der Hauptteil, in dem unser psychotherapeutisches Behandlungsprogramm: "Reden, fühlen, trauen!", dargestellt wird. In sieben Unterkapitel werden spezifische Aspekte der Therapie des Suchttraumas erläutert, z.B. zur therapeutischen Beziehungsgestaltung, Klärung von Motivation, Bewältigung von Ängsten und Depressionen, Erlebensaktivierung, Emotionsregulation, Traumabewältigung und zur Überwindung (co-)abhängiger Probleme. Alle Darstellungen werden praxisbezogen durch Kasuistiken veranschaulicht. Das Buch richtet sich vornehmlich an Fachleute: Psychotherapeuten, Suchttherapeuten und -berater, Psychologen, Sozialarbeiter oder Ärzte.

2020-02 | COA-Aktionswoche

Vom 09. bis 15.02.2020 findet die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien statt. Ziel der jährlich zum Valentinstag durchgeführten Woche ist es, den vergessenen Kindern eine Stimme zu geben und Öffentlichkeit für die gesellschaftlich tabuisierte Thematik herzustellen. Jeder kann mit Veranstaltungen oder Aktionen beitragen. Die Woche wird von NACOA Deutschland, Such(t)- und Wendepunkt e.V. und Kunst gegen Sucht e.V. koordiniert. Die Aktionswoche hat dieses Jahr einen negativen Beigeschmack. Die "AG Kinder psychisch und suchtkranker Eltern" des Bundestages ist zu keinem konkretes Ergebnis gelangt. Die Vertreter/innen der Bundesministerien in der AG haben sich genau darum herumgedrückt. Der Aufruf zur Aktionswoche ist entsprechend kritisch und kämpferisch ausgefallen:

2020-02 | Broschüre | LZG Rheinland-Pfalz

Da im März Abgabetermin für das Manuskript unseres neuen Buchs über die Psychotherapie mit traumatisierten erwachsenen Kindern aus Suchtfamilien ist und die Zeit vor der Abgabe stressig ist, nehme ich in 2020 leider nicht mit einer eigenen Veranstaltung an der Woche teil. Indirekt bin ich erfreulicherweise doch beteiligt. Die Landeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von Rheinland-Pfalz hat zur Aktionswoche eine informative Broschüre zu den komplex traumatisierten "stillen Mädchen" herausgeben, Titel: "Erkennen, erreichen, ermöglichen". Vornehmlich besteht diese aus einer Zusammenfassung eines Impulsreferats, den ich in 2019 auf einem zweitägigen Workshop des Arbeitskreises „Hilfen für Kinder aus suchtbelasteten Familien in Rheinland-Pfalz“ hielt. Der Text basiert auf dem zweiten Kapitels unserer geplanten Publikation. Ich danke der LZG und dem Arbeitskreis für die gelungene Kooperation.

2020-02 | Neuerscheinung | Photoetry

Neuerscheinung: Sturm, C. (2019). Sucht vergeben. Berlin: Neopubli.

Das Buch ist das Ergebnis der mutigen und feinfühligen Kooperation der Fotografin Christa Sturm und einer Angehörigengruppe Suchtkranker. Durch die Kombination von Foto und Poesie wird der Angehörigenproblematik bewegend und eindrucksvoll Gesicht und Stimme gegeben. In der Therapie nutze ich die Fotos, um Klienten einen Spiegel vorzuhalten.

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